Nierstein, 16.03.2026
Das Internationale Kulturfest in Nierstein wird dieses Jahr dreißig Jahre jung
NIERSTEIN. Das Internationale Kulturfest Nierstein feiert am 23. August 2026 einen runden Geburtstag. Dreißig Jahre, vielleicht nicht für ein Menschenleben ein beachtliches Alter, wohl aber für ein Event in einer Weinregion, das kein Weinfest und ehrenamtlich organisiert ist: Gelegenheit für einen kleinen Rückblick.
Die Idee für die Veranstaltung stammt aus dem Kontext der Flüchtlingshilfe, die der Arbeitskreis Asyl Nierstein leistete. Zusätzlich zum – ebenfalls noch existenten – Café Welcome sollte ein harmonischer Rahmen für interkulturelle Begegnung geschaffen werden, um aus Furcht vor Fremdem Neugier auf Neues werden zu lassen. Wie geht das besser als durch gemeinsames Musik machen und Musik hören, Tanzen, Essen und Trinken, Spielen, aber auch Gespräche führen und Informationen aufnehmen, die Verständnis für die Situation des Anderen schaffen.
Gedacht, getan. Der Anfang war allerdings reichlich provisorisch. In den 1990ern stellten größer angelegte Aktivitäten im Niersteiner Stadtpark noch eine Seltenheit dar. Entsprechend misstrauisch wurde man von der Gemeinde beäugt, erinnern sich die Organisatoren heute schmunzelnd, betonen aber die inzwischen hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt. Auch der Park als ‚Eventlocation‘ hat sich über die Jahre enorm gemausert.Während man sich beispielsweise früher mit Sonnenschirmen und einem Toilettenwagen behelfen musste gibt es inzwischen eine Bühnenüberdachung und sanitäre Anlagen. Natürlich macht sich dazu nun die Routine der Veranstalter positiv bemerkbar: Das Improvisieren bei Pannen gehört inzwischen zum normalen Handwerkszeug. Sintflutartige Regenfälle, außergewöhnliche Hitze, zugesagte, aber nicht erschienene Bands oder Essensstände, Ausfall der Tontechnik, übriggebliebenes Essen im einen Jahr, am Nachmittag schon leergefegte Buffets im anderen, ein (inzwischen gefällter) Baumriese, der ankündigungslos einen seiner Hauptäste abwirft – alles schon dagewesen, und jedes Mal fand sich eine Lösung. Nie gefehlt hat es allerdings an helfenden Händen. Gefühlt ist regelmäßig, wie es Christiane Meyer, von Anfang an eine der tragenden Säulen im Orga-Team, mal ausdrückte, „halb Nierstein“ mit Backwerk als Spende zum Kaffeetafel vertreten. An den Imbissständen lassen sich immer wieder andere private Experten exotischer Küche auf den mutigen Schritt ein, im Standup-Familienbetrieb die Allgemeinheit zu verköstigen. Ohne feste Größen wie die professionell gemanagten Getränkepavillons von SPD und Antifa geht es trotzdem nicht, ebenso wenig wie ohne die Infostände ehrenamtlicher Organisationen mit den Schwerpunkten Migration, Weltfrieden und Umwelt, die quasi als „Salz in der Suppe“ den Daseinsgrund des Festes im Bewusstsein halten. Last not least funktioniert der Auf- und Abbau reibungslos. Man spricht dabei zwar nicht durchweg im tatsächlichen Sinn die gleiche Sprache, denn viel Support kommt von Mitbürger(inne)n mit ausländischen Wurzeln, aber man versteht und verständigt sich über das gemeinsame Ziel, allen Mitfeiernden wieder ein schönes Gemeinschaftserlebnis zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass man der Stadt auch im nächsten Jahr wieder willkommen ist. Hakt es dann doch mal an der einen oder anderen Stelle, zeigt sich Wolfgang Schwerdtfeger, ein weiterer Taufpate der Veranstaltung, geradezu allgegenwärtig und schafft in seiner coolen und freundlichen Art „die Kuh vom Eis.“ Was aber das Fest über all die Jahre eigentlich am Leben erhalten hat ist der „Spirit“ der Gemeinschaft mit und des Verständnisses für Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, und so bildet ein unverändert aktuelles Motto immer den Bühnenhintergrund: „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“.
Damit in diesem Geist auch am 30. Jahrestag das Internationale Kulturfest wieder ein tolles und Erlebnis wird und wie gewohnt ein abwechslungsreiches Programm bieten kann zum Abschluss eine Bitte: Wer eine Band kennt, die authentische Musik aus ihrem ausländischen Herkunftsland macht und die potenziell Lust und Zeit hat, am 23. August 2026 ca. 30 Minuten (für moderate Gage, damit der Eintrit frei bleiben kann) im Niersteiner Stadtpark aufzutreten, trifft mit diesem Tipp beim Arbeitskreis Asyl Nierstein ins Schwarze (für Ansprechpartner s. Kontakt – Arbeitskreis Asyl Nierstein). Weil das Fest Menschen in den Mittelpunkt stellt, die aus ihrer Heimat zu uns fliehen mussten, würden sich die Organisatoren natürlich besonders über Interpreten aus Ländern freuen, von denen gerade Migrationswellen ausgehen.